Unruhe im Goldenen Dreieck – Myanmar und das Opiumproblem

Militärjunta, aufständische Minderheiten und Opium – weiterhin ist die Lage im südostasiatischen Myanmar kompliziert. Mit Fokus auf die Drogenpflanze versucht ein neues Buch, die Fäden etwas zu entwirren.

Alle Jahre wieder kommt scheinbar frohe Kunde aus Myanmar: Der Opiumanbau im früheren Burma sei zurückgegangen, meldet das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNODC). Mittels umfangreicher Stichproben verschafft sich UNODC seit 1996 einen Überblick über den Opiumanbau im Shan-Staat im Osten des Landes. Die Ergebnisse werden jährlich in einem »Opium Survey« veröffentlicht.

In dessen Ausgabe von 2005 heißt es, die Anbaufläche der Schlafmohnpflanzen sei in Myanmar erneut um ein Viertel auf 33 000 Hektar gesunken. Die Ernte betrage nur noch 320 Tonnen des Heroingrundstoffes Rohopium. Allerdings ist selbst die UNO nicht nur begeistert von ihrem Erfolg, denn mit dem von der internationalen Gemeinschaft geforderten Opiumbann geht eine Umsiedlung Zehntausender Menschen unter Zwang einher. Durch den Bann fehlt ihnen Opium als Medizin und Einkommensquelle: Eine Hungersnot zeichnet sich ab.
Dass die Zahlen der UNO mit Vorsicht zu genießen sind und es andere Wege als ein Opiumverbot geben könnte, zeigt das kürzlich erschienene Buch des »Transnational Institute« (TNI) aus Amsterdam: »Trouble in the Triangle – Opium and Conflict in Burma«. In zehn Kapiteln beleuchten ebenso viele Autoren in englischer Sprache die komplexe Problematik des Opiumanbaus in Myanmar.
Der Tenor des Buches, in dessen Vorwort eine »menschlichere Drogenpolitik« gefordert wird, wendet sich gegen die internationale Drogenprohibition, die in den Anbaustaaten in der Regel die Existenz der meist armen Drogenbauern bedroht. Auf 230 Seiten finden sich neben der globalen Perspektive der Drogenpolitik durch Exkurse nach Kolumbien und Afghanistan auch Analysen über die Grenzregionen Myanmars mit China, Indien und Thailand.
Die ersten Kapitel des Buchs handeln von den ethnischen Minderheiten der Wa und der Shan. In ihrem Konflikt mit dem Regime in der Hauptstadt Yangon hat Opium immer eine wichtige Rolle gespielt. Adrian Cowell zeigt in seinem Text »Opium anarchy in the Shan State of Burma«, dass die Shan weniger aus ideologischen Gründen die Fronten zwischen pro-kommunistisch und pro-westlich wechselten als vielmehr aus strategisch-pragmatischen Gründen.
Im Kapitel »The Black Hole of ›China White‹« von Guilhem Fabre wird deutlich, dass durch die von Staats wegen verheimlichte Heroin- und Opiumsucht in der Volksrepublik China dort eine Nachfrage nach Opium aus Myanmar besteht und dort folglich mehr angebaut werden dürfte, als die Vereinten Nationen behaupten.
Martin Jelsma schließlich, unter dessen Federführung das TNI seine einzigartige Forschung zu Entwicklungs- und Drogenpolitik führt, skizziert die Rolle Myanmars auf dem globalen Drogenweltmarkt. So sinkt zwar der Stellenwert des Heroins aus Myanmar, doch wird von dort die weiter boomende Nachfrage nach Speed-Pillen auf dem asiatischen Markt gedeckt. Weiter legt Jelsma den kaum bekannten Fakt dar, dass weltweit legal mehr Opium für medizinische Zwecke (Morphium, Codein) angebaut wird – etwa in Australien und Frankreich – als illegal in Afghanistan und Myanmar. Beiden »Entwicklungsländern« wird der legale Anbau für medizinischen Zwecke aber bislang von den Vereinten Nationen verwehrt.

TNI (Hg.): Trouble in the Triangle – Opium and Conflict in Burma. Silkworm Books, Bangkok, 231 S., brosch.

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Lorenz Matzat, – erschienen am 29. 11.2005 in Neues Deutschland (Link)

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