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Richard Holbrooke, der Sondergesandte von US-Präsdident Obama für Afghanistan, hat Ende Juni auf einer Afganistankonferenz einen Strategiewechsel verkündet: Eine weitere Vernichtung von Opiumfeldern würde es nicht geben, sagte er gegenüber Reuters: „So I need to stress this: the poppy farmer is not our enemy. The Taliban are. And to destroy the crops is not an effective policy and the U.S. has wasted hundreds and hundreds of millions of dollars on this program, and that is going to end.“ Vielmehr, so Holbrooke, soll der Handel mit Vorläuferstoffen bekämpft werden und die Drogen-Großhändler.
Der Leiter des UN Office for Drugs and Crime (UNODC), Antonio Maria Costa, hatte auf dem gleichen Treffen im italienischen Triest das Vorgehen der USA als „traurigen Witz“ bezeichnet. Viele afghanischen Soldaten und Polizisten seien umgekommen, um etwa 5000 Hektar Mohnanbau zu vernichten – etwa drei Prozent der gesamten Anbaufläche.
Ob der Strategiewechsel Erfolg zeigen wird, soll bei westlichen Geheimdiensten umstritten sein. Die Drogen-Warlords werden sich wohl massiv wehren, will man ihnen habhaft werden, heißt es. Auch habe der afghanische Präsident Karzai immer wieder seine schützende Hand über Drogenhändler gehalten; weiter hält sich das Gerücht, dass sein Bruder in den Drogenhandel involviert sei; generell gilt die afghanische Politikerkast als recht korrupt (siehe hier: „Afghan drug trade thrives with help, and neglect, of officials“, 10.05.09). Erst kürzlich begnadigte Harzai fünf bedeutende Drogenhändler, die 2007 zu über 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden waren. Einer von ihnen soll ein Neffe eines der großen Finanziers von Karzais aktuellen Wahlkampf sein.
Auch  der afghanische Anti-Drogen-Minister Khodaidad legt eine gewisse Unbedarftheit an den Tag: Er hält das derzeitige Vorgehen in Sachen Drogenstrategie in seinem Land für „perfekt.“ Selbiger Minister hatte zuvor vermeintliche Mohnsamen als eine neue Sorte von „Super-Poppy“ indentifiziert. Ende Juni waren 1,3 Tonnen dieser Samen vom britischen Militär unter großen Gejubel beschlagnahmten worden. Doch stellte sich bald heraus, dass es sich um einfache Mungobohnen handelte.

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