drugmarketDer hier im Blog bereits erwähnte Bericht „Addiction, Crime, and Insurgency: The Transnational Threat of Afghan Opium“ wurde vor einiger Zeit auf der Website „Foreign Policy in Focus“ ausführlich kritisiert: Dass der Handel mit Opium und Heroin, der laut dem Bericht vor allem den Taliban zu Gute käme, sei eine unvöllständige Darstellung. Zwar werde der Bericht so interpretiert, dass vor allem der Drogenanbau- und handel zu stoppen sei, um die Taliban zu bekämpfen. Doch räume der Bericht genau das Gegenteil ein, so Julien Mercill: Ein Reduktion der Drogenökonomie würde nur „minimale Auswirkungen auf die strategische Bedrohung durch die Aufständischen“ haben: die Taliban würden „bedeutende finanzielle Unterstützung von Gebern aus der ganzen Welt“ erhalten – Beiträge die die Drogengelder völlig in den Schatten stellen würden.

Gerade einmal vier Prozent der afghanischen Einnahmen durch den Drogenhandel – insgesamt 3,4 Milliarden US-Dollar so die Schätzungen – gingen an die Taliban; etwa 20 Prozent verdienten die Bauern, heißt es in dem Bericht „UN Report misleading on Afghanistan“, der sich auf besagten UN-Report bezieht. Die restlichen 75 Prozent, „werden von Regierungsbeamten, der Polizei, lokalen und regionalen Mächtigen und Händlern eingenommen – kurz gesagt, viele der Gruppen die nun von den Vereinigten Staaten und der NATO unterstützt (oder toleriert) werden, sind wichtige Akteure im Drogenhandel“.
Mercill hatte im Oktober die bekannte afghanische Politikerin Malalai Joya interviewt, die zum Thema Drogen unter anderem folgendes äußerte: „Was arme Afghanen und die Taliban durch die Drogen verdienen, ist wie ein Tropfen im Ozean. Niemand, der klar im Kopf ist, kann glauben, dass eine Supermacht unterstützt von 40 Ländern wirklich nicht in der Lage ist, die Opiumproduktion zu stoppen – während die kleinen, ignoranten und rückständigen Taliban es 2001 einfach mit einem Bann belegen konnten und die Produktion auf 185 Tonnen reduzieren konnten. Unter den Vereinigten Staaten und seinen Verbündeten produziert Afghanistan nun 8.500 Tonnen.“
In seinem Artikel zu dem UN-Report macht Mercill auch darauf aufmerksam, dass von den schätzungsweise 65 Milliarden US-Dollar Umsatz mit (illegalisierten) Opiaten wie Heroin maximal zehn Prozent durch informelle Banksysteme gewaschen würden. Stattdessen würde der überwiegende Teil  durch legale Handelsaktivitäten und Banksysteme in den offiziellen Geldkreislauf eingespeist. Der Chef der Drogenkontrollbehörde UNODC – Antonio Maria Costa –  hatte bereits im diesjährigen Drogenweltbericht darauf hingewisen: Einige Banken seien durch Drogengelder gerettet worden – „In Zeiten einer bedeutenden Bankkrise, glauben Banker wohl, dass ‚Geld nicht stinkt‘ „, so Costa. Er bekräftigte diese Aussagen unlängst gegenüber dem britischen Observer.

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