heroinformelAls ein „Wunder für die Junkies“ bezeichnete ein Kommentator die beschlossene Änderungen des Betäubungsmittelgesetzes und anderer Verordnungen. Seit 2002 war in mehreren Städten ein Modellprojekt gelaufen. Ende Mai 2009 hat der Bundestag die (Gesetzentwurf als pdf) mit Stimmen von SPD, Grüne und Linke ein Gesetz beschlossen, dass die Vergabe von Diamporphin (=Heroin) an mindestens fünf Jahre lang Schwerstabhängige ermöglicht. Die müssen mindestens 23. Jahre alt sein und zwei nachweisbare Entzugsversuche hinter sich haben.

Die unsinnige Wortschöfpungen „künstliches“ oder „synthetisches“ Heroin, die im Zuge der Entscheidung durch manche Medien geisterten, wird im Stillstand-Blog treffend erklärt:

„…um die Stammtische und die leichtgläubigen Berichterstatter zu beeindrucken, damit die einen Unterschied zu machen lernen zwischen dem bösen Straßenheroin und dem guten Drogentherapie-Heroin vom zertifizierten Apotheker.“

Heroin ist ein Laborprodukt, deswegen also grundsätzlich künstlich; „Diamorphin“ entsteht nunmal aus einer Synthese von organischen Bestandteilen bzw. Extrakten der Mohnpflanze und weiteren chemischen Zutaten (Essigsäureanhydrid).

In einem ähnlichen Gesetzesantrag von 2007 für den Bundesrat wird erläutert, warum der Vertrieb des Diamorphin direkt vom Hersteller zu den Vergabestellen – ohne Umweg über die Apotheker – geschehen sollte:

„Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass Diamorphin nicht über den vom AMG [Arzneimittelgesetz] üblicherweise vorgesehenen Vertriebsweg (vom Hersteller über den pharmazeutischen Großhändler und die Apotheke), sondern nur auf einem Sondervertriebsweg unmittelbar vom pharmazeutischen Unternehmer zur behandelnden Einrichtung geliefert werden soll.

Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Diamorphinbestände auch in der Form einer Arzneimittelzubereitung in hohem Maße gefährdet sind, weil eine erhebliche kriminelle Energie auf die Beschaffung dieses Stoffes gerichtet ist. Dies macht Sicherheitsvorkehrungen erforderlich, die von Apotheken nicht erwartet werden können. Außerdem müssen die Transporte, die besonders gefährdet sind, möglichst reduziert und auf die Versorgung der zugelassenen Behandlungseinrichtungen beschränkt werden.“

(aus: Entwurf eines Gesetzes über die diamorphingestützte Substitutionsbehandlung,  S. 10, Abschnitt C pdf)


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