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Heute veröffentlichte das UN Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) den jährlichen „Opium Survey“ für Afghanistan – hier die Zusammenfassung auf Englisch. Um 10 Prozent sei die geerntete Menge zurückgegangen: Von 7.700 Tonnen im vergangenen Jahr auf etwa 6.600 Tonnen Rohopium. Die Anbaufläche habe sich sogar um über 20 Prozent verringert – von 157.000 Hektar auf 122.000. Dem gegenüber standen offenbar gute klimatische Bedingungen, die eine Steigerung des Ertrags der Mohnpflanzen ermöglichte.
Damit geht der Opiumanbau – zumindest nach diesen offiziellen Zahlen – in Afghanistan im zweiten Jahr zurück. Allerdings befindet er sich immer noch auf einem hohen Niveau; es wurden immer noch rund 50.000 Tonnen mehr geerntet als 2002, dem Jahr nach der Invasion der USA und NATO.

Offenbar fällt der Verkaufspreis für Rohopium (farm-gate-value); die Bauern erhielten im landesweiten Durchschnitt 34 Prozent weniger für ein Kilo Rohopium: 64 US-Dollar. Das weist daraufhin, dass auf dem regionalen Markt – aber auch dem Opiumweltmarkt – eine gute Angebotssituation herrscht.
Laut UNODC sind faktisch vier Provinzen im Süden Afghanistans für fast den gesamten Opiumanbau verantwortlich, Hilmand allen vorran. Dort soll die Anbaufläche von fast 100.000 Hektar auf 70.000 gefallen sein. Als Bewegründe den Anbau zu beenden, gaben knapp 1.900 befragte Bauern an: Verbot seitens der Regierung (33%), die gesunkenen Einnahmechancen (18%), Verstoß gegen den Islam (16%).
Angesichts der Zunahme an Kampfhandlungen, vorallem auch im Süden, ist Zweifel angebracht, ob für den Bericht dort überhaupt ausreichend statistisches Material erhoben werden konnte. Genauere Auskunft darüber wird der in Bälde erscheinende Gesamt-Survey geben, der in der Regel ausführlich auf die Methoden der Erhebung eingeht.
Die Surverys werden mittels Stichproben von Feldern (Vermessung, Planzendichte und Wiegen von Mohnkapseln) und Interviews mit Bauern bzw. Dorfältesten erstellt; dazu werden Erkenntnisse aus Luftbildern hinzugezogen. Es handelt sich also immer um Hochrechnungen; statistische Abweichungen sind anzunehmen. Inwiefern Aufrichtigkeit seitens der Anbauer in den Angaben gegenüber den Survey-Teams gewährleistet ist und welche Rolle Korruption spielt, ist schwer einzuschätzen.

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